"beNUTS testen den Euro"-Tour 2002

Euro oder Teuro?


Am 19. September sitzen wir in der Backstage des Augsburger Klubs "Kerosin", die Laune ist trotz gelungenem Gig am Tiefpunkt. Es wird gestritten, woran das liegen könnte, am Wetter, am stinkenden Übungsraum, der wieder einmal voll Scheisse gelaufen ist, oder daran, daß Max schon wieder das Posaunenintro in "Tic Toc" versemmelt hat und dann noch behauptet, daß das "so gehöre".
beNUTS Bandatlas

"Außerdem ist alles durch den Euro viel, viel teurer geworden!", meint Jens und Ödl fügt hinzu "Genau wie Altbundeskanzler Kohl immer gesagt hat: Mark stark, Euro Teuro!". "Stimmt doch gar nicht!", widerspricht Silvester, "Die beNUTS-Konzerte sind sogar billiger als früher!".

"Um herauszufinden, was uns der Euro nun wirklich gebracht hat, müßte man durch Europa fahren und nachprüfen, was wo wieviel kostet." schlägt Daniel vor. Olli fragt: "Wann geht's los?"

25.9. Ulm Cat Cafe


Nicht mal eine Woche später sind wir auch schon unterwegs. Natürlich wird zunächst lang und breit diskutiert, welche europäischen Städte denn nun für eine objektive Beurteilung der neuen Währung am besten geeignet sind, und beinahe streiten wir uns dabei so, daß sich einige schon allein auf den Weg machen wollen. Zum Schluß einigen wir uns dann aber doch noch und in den Bandatlas wird eine dicke rote Linie eingetragen.

Bei längeren Autofahrten sollte ab und an eine Pause eingelegt werden.

Nicht mal eine Woche später sind wir auch schon unterwegs. Natürlich wird zunächst lang und breit diskutiert, welche europäischen Städte denn nun für eine objektive Beurteilung der neuen Währung am besten geeignet sind, und beinahe streiten wir uns dabei so, daß sich einige schon allein auf den Weg machen wollen. Zum Schluß einigen wir uns dann aber doch noch und in den Bandatlas wird eine dicke rote Linie eingetragen.
Erstes Ziel soll also Ulm sein, wo wir sowieso schon öfters gespielt haben. Da fällt uns ein, in den ganzen Städten auch noch ein paar tüchtige Konzerte auf die Bretter zu legen, wo wir schon mal soweit durch die Gegend fahren. Also noch ein paar Anrufe im Ulmer Cat-Cafe und bei diversen europäischen Agenturen, und ab geht die Post.
In Ulm angekommen treffen wir auf unsere Kollegen von der Band Beatback, die anscheinend auch gerade durch die Gegend fahren, um irgendwelche Erhebungen durchzuführen. Also nehmen wir die Jungs mit ins Cat-Cafe, damit uns dort nicht so langweilig wird. Zur Feude aller Bandmitglider läßt sich dort neben dem ein oder anderem Ulmer Skin und Punk auch noch Wolle von Skaos blicken.
Klar, daß dies ideale Vorraussetzungen für eine tüchtige Feier sind, vor allem, wenn man bedenkt, daß es morgen ja nach Frankreich geht, wo es bestimmt nicht so gutes Bier gibt wie in Ulm.

26.9. F - Toulon, Le Bar a Thym



"Le Bar a Thym" ist ein echter Klassiker und wird nur für internationale Topactsgebucht.

Das südliche Ende von Frankreich ist ganz schön weit weg, nur gut, daß wir genügend Eittinger dabei haben. So vergeht die Zeit wie im Flug und wir finden uns in Toulon wieder, dem Ausgangspunkt für unsere Studienreise "beNUTS testen den Euro".
Unterwegs hat auch einer ein Plakat gesehen. "beNUTS" stand da drauf, und: "Le Bar A Thym". Die französische Agentur scheint also für heute Abend ein Konzert organisiert zu haben, was uns alle sehr freut, vor allem als wir feststellen, daß der Laden direkt neben dem Hafenbecken von Toulon liegt. "Wie praktisch", meint Jens, "da können die Leute auf dem Heimweg kotzen, ohne daß es Ärger mit den Anwohnern gibt."
In der Bar bestellen wir -selbstverständlich allein zu Testzwecken- ein paar typische regionale alkoholische Spezialitäten. Dann schauen wir uns um. Positiv fällt auf, daß die Bühne drei Etagen hat: Eine für den Gesang und die Bläser, eine für die Backline und ganz oben -knapp unter der Decke- einen gemütlich-warmes Plätzchen für den Schlagzeuger. Leider gibt es auch einen Nachteil: Die Bühne ist nämlich nur ca. 2qm groß!
Nichts desto trotz legen wir ein sehr stimmungsvolles Konzert hin und werden frenetisch gefeiert. Anschließend gibt's Pastis für alle und danach können wir uns auch wieder unseren Untersuchungen widmen, indem wir im Laden nebenan etwas zum Essen bestellen. Leider läßt sich jedoch nur wenig über das Preis-Leistungsverhältnis sagen, da wir vom Veranstalter zum Essen eingeladen wurden. Nur eins steht fest: Das Chili war nicht geniessbar und daher in jedem Fall zu teuer.

27.9. E - Ondarroa, Kafe Antzokia


Nach anfänglichem Zögern sind die Basken dann doch zu begeistern.

Am nächsten Tag gibt es zum ersten Mal Stress mit den Behörden. Anscheinend ist die beNUTS-Untersuchung auf Skepsis in Brüssel gestoßen, so daß wir mehrmals auf unserem Weg von Zöllnern und Polizisten schikaniert werden. Doch das spornt nur umso mehr an, denn eins ist klar: hier soll etwas vertuscht werden!
Also nix wie weiter nach Spanien, genauer gesagt ins Baskenland nach Ondarroa an der -damals noch nicht verseuchten- Atlantikküste. Wieder finden wir den Laden Dank der angepappten Plakate auf Anhieb und freuen uns, daß auch die Agentur in Spanien ganze Arbeit geleistet hat. Diesmal handelt es sich um ein renoviertes altes Theater mit prima Technik und großer Bühne mitten im Stadtkern.
Dort warten schon die Dorfältesten bei Kaffee und Kuchen, um zu überprüfen, ob die Band auch einen vernünftigen Soundcheck hinlegen kann. Als der beNUTS Soundcheck wie immer präzise, schnell und reibungslos über die Bühne geht, grunzen die älteren Herrschaften zufrieden und räumen den Laden für die ortsansässigen Skins und Punks.
Heute hat sich Silvester etwas besonderes einfallen lassen: Er begrüßt das Publikum in spanischer Sprache, wozu er extra die entsprechenden Sätze auswendig gelernt hat. Die Reaktionen fallen allerdings anders aus als geplant: Es hagelt wüste Beschimpfungen aus dem Publikum, und zwar auf baskisch!
Unauffällig schiebt uns der Veranstalter einen Zettel zu, auf dem die entsprechenden Phrasen in der Landessprache geschrieben sind. Und siehe da: Nach einer korrigierten Ansage sind die Leute wieder zufrieden, ja sogar begeistert und fordern am Ende eine Zugabe nach der anderen.
Nach dem Konzert gehts weiter nach Bilbao in unsere Pension für die nächsten zwei Nächte. In den Strassen treffen wir auf Hunderte von Zechern, denen wir uns spontan anschließen.

28.9. E - Bilbao, Izangoan Pub



Endlich mal ein Tag mit weniger als 10 Stunden Busfahren. Genauer gesagt müssen wie eigentlich gar nicht fahren, da wir ja eh schon in Bilbao sind. Wir fahren aber trotzdem, und zwar ans Meer, wo wir den Tag mit Nacktbaden und einer Jagd auf Napfschnecken und sonstiges Zeug verbringen.



Beim Konzert selber stellt sich inzwischen eine gewisse Lässigkeit ein. Silvester hat dazu gelernt und begrüßt die Leute diesmal gleich auf Baskisch, sodaß alles rund abläuft. Leider kommen aber nicht so viele Leute, wir wir uns erhofft haben. Es scheint also der eine oder andere noch einen Kater von gestern zu haben.

Aber nachdem wir uns geeinigt haben, daß jede Studienfahrt ihre Hoch- und Tiefpunkte hat, deklarieren wir diesen Tag zum vorläufigen Tiefpunkt, vergnügen uns im "Izangoan Pub", bis dieser zu macht und schlendern nach Hause.

29.9. E - Valencia, El Asesino

Am nächsten Morgen ist das passiert, womit alle gerechnet hatten: Der Bus ist aufgebrochen, so wie etwa ein Dutzend andere Fahrzeuge auch. Daneben finden wir eine leere Eittinger Flasche; die scheint den Gaunern geschmeckt zu haben! Aber Gott sei Dank fehlt sonst nichts, bis auf Ödls Unterhose mit der Goldkante, die er zum Trocknen über das Lenkrad gehängt hatte.
Nach ein paar kräftigen Flüchen aus Ödls Mund geht's weiter nach Valencia. Das bedeutet 800 Kilometer ohne Seitenfenster, was zu Zugluft-bedingten Ausfallerscheinungen bei der Zugposaunen-Fraktion führt.
In Valencia tun wir uns auch etwas schwerer den Laden zu finden, ein Plakat ist nirgends zu sehen. Doch, da hängt eins, und zwar schwarz auf weiß, selbstkopiert. Wir haben denen doch unsere schönen großen farbigen Plakate geschickt! Doch dann klärt sich alles auf: Die Plakate gingen bei der Post verloren. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, daß uns irgendjemand bei unsereren Arbeiten behindern will. Wir sind dabei, etwas ganz Großes aufzudecken und deshalb wollen sie uns an den Kragen, die CIA, der BND, der ADAC und weiß der Teufel wer noch.


Beim Essen lassen wir uns nicht lumpen und verkehren nur in den vornehmsten Häusern.

Doch wir lassen uns nicht unterkriegen, schließlich ist heute in Valencia das erste Konzert der Herbstsaison überhaupt. Während des Sommers gibt's dort nämlich keine Live-Musik, weil alle Spanier für die dicken fetten deutschen Touristen arbeiten müssen. Und Anfang Herbst lassen sie dann dicke fette deutsche Musiker antanzen, um sich zu amüsieren. Auf jeden Fall hat die Aussicht, heute abend endlich mal ein paar Deutschen bei der Arbeit zuzusehen, und selber an der Bar zu stehen und Bier zu trinken, doch noch den einen oder anderen Valencianer angelockt: das "El Asesino" ist randvoll, und das bei freiem Eintritt!
Natürlich lassen wir uns nicht lumpen und legen uns richtig ins Zeug, um den Valencianern zu zeigen, daß in Deutschland noch mehr geboten ist als aus Eimern Sangria zu saufen. Und es wirkt, die Stimmung ist hervorragend, zum Schluß hören wir sogar Sprüche wie "beNUTS - ultimos brutales" oder so ähnlich. Keine Ahnung, was das heißt, aber klingt doch ganz gut.
Danach wird in einem Strassencafe nebenan noch ordentlich gegessen und getrunken, während wir verschiedene Gäste des "El Asesino" dabei beobachten, wie sie in ihr Auto steigen, die neu erworbene "Nutty by Nature" einlegen, und sich mit einem am rechten Anschlag befindlichen Lautstärkeregler auf den Weg machen. "Wenn es den Euro nicht gäbe, hätten sich sicherlich viel weniger Leute eine CD gekauft!", meint Ödl und erklärt: "Wer weiß denn vorher schon so genau, daß da eine Band aus Deutschland spielt, und besorgt sich extra D-Mark, um zum Schluß eine CD mitnehmen zu können?" Das gibt einen dicken Pluspunkt für den Euro!

30.9. Offday

Am nächsten Tag beschliessen wir, dass wir eigentlich schon viel Interessantes herausfinden konnten und fahren erstmal für einen Tag an den Strand. Natürlich muß da ein Kasten Eittinger dabei sein, der zwecks Abkühlung erst einmal ins Mittelmeer wandert. Aber was müssen wir zu Kenntniss nehmen: das Wasser ist gar nicht richtig kalt - auf jeden Fall viel zu warm zum Bier kühlen! Aber Ödls Unterhosen müssen sowieso mal gewaschen werden. Also kommen sie ins Wasser, und nachher umwickeln wir damit die Bierflaschen und lassen das Ganze vom Wind abkühlen, während wir ein bisschen Fussball spielen und Sandburgen nach dem Motto "Auf Schloss Bums klackern die Nüsse" bauen. Das kühle Bier lockt auch einheimische Fischer an, die uns dann noch sehr interessante Sachen aus ihrer Gastarbeiterzeit erzählen.


Eittinger Fischerbräu sollte immer gut gekühlt serviert werden.

Dann geht's weiter nach Madrid, wo wir schon mal in den Club fahren, in dem wir morgen spielen wollen. Der liegt mitten im Einbahnstrassengewirr des Stadtzentrums und ist rammelvoll, da dort grade eine scheiß-langweilige lokale Gitarren-Combo spielt. Deshalb können wir auch noch keine Instrumente in den Club tragen, und im Auto können wir sie auch nicht lassen, weil ausländische Autos in Madrid eigentlich immer aufgebrochen werden. Da heißt es warten, und zwar bis 4 Uhr morgens. Kameradschaftlich wird die Arbeit aufgeteilt: Jens bekommt den Rest vom Eittinger-Kasten und bewacht dafür den Bus, während die anderen im Club Fassbier trinken müssen.

1.10. E - Madrid, La Boca del Lobo

Am nächsten Morgen wird erst mal bei strömendem Regen Madrid inspiziert und Essen gegangen. Und was es da alles gibt: Kartoffeln mit Mayo und Ketchup, Oliven, Wein, Spargeln, Fische, Krebse, Lammnieren, und vieles mehr. Silvester freut sich am meisten über die gerösteten Schweinemägen und läßt sich von diesen noch ein paar für später einpacken.
Abends finden wir uns im "Boca del Lobo" wieder, das wir ja schon von gestern kennen. Gemütlich bauen wir auf und proben ein paar neue Lieder, die wir uns während der Busfahrt überlegt haben. Plötzlich schimpft der Veranstalter: Er hat unsere Getränkeliste vom Vorabend entdeckt. Wir sollen jetzt Ruhe geben, später spielen und dann sofort abhauen. "Viele Zuschauer werden eh nicht kommen", meint er noch.


Die meisten Spanischen Clubs können eine besonders großzügig ausgelegte Bühne vorweisen.

Aber dann kamen doch ein paar Leute. Genauer gesagt wird es sogar rammelvoll. Kein Wunder: hat doch ein Münchner beNUTS-Fan, der gerade in Madrid wohnt, Wind von dem Konzert bekommen und kurzerhand beschlossen, ein paar Handouts zu erstellen und wochenlang unter die Leute zu bringen. Das loben wir uns und drücken dem Typen erst mal ein paar Bier in die Hand.
Manche Leute sind nicht so begeistert, daß es so voll ist, da sie sich das Konzert leider im 1. Stock auf einer Videoleinwand anschauen müssen, unten ist einfach kein Platz mehr. Es versteht sich von selbst, daß sich alle Nüsse heute extra viel Mühe geben. Schließlich spielt man in einer europäischen Hauptstadt, und das sogar in einem überfüllten Club. Zum Schluß ist sogar der Veranstalter wieder zufriedengstellt und gibt sogar noch ein paar Bier für alle aus.
"Freibier ist genauso billig wie immer!", meint Sebastian, und fügt der Bewertungsliste einen Pluspunkt für den Euro hinzu.

2.10. Offday

In aller Frühe vor Beginn des täglichen Katers treffen sich alle wieder und freuen sich schon wie die Schnitzel auf die 1500km lange Fahrt nach Paris. Da wir aber wieder einmal von korrupten Zöllnern und willkürlich agierenden Polizisten aufgehalten werden, kommen wir heute nur bis Portier. Dort schauen wir uns erst einmal ein OpenAir-Konzert im Stadtpark an, das zu unserer Freude keinen Eintritt kostet. Außerdem wird dort sogar Reggae gespielt, und das gar nicht so schlecht. "Der Euro hat einen positiven Einfluss auf die frankophone Reggaeszene.", stellt Olli fest, was einen Pluspunkt für den Euro gibt. Nach dem Konzert gings ab ins Hotel, und weils halt am billigsten ist landeten wir wieder einmal im "Formule Une".


Dank der zahlreichen Roadies kann der Bus jedesmal präzise, schnell und reibungslos be- und entladen werden.

3.10. Rouen, Le Kalif

Zur Abwechslung beginnt der Tag mit einer gemütlichen Autofahrt von ca. 800km Länge, die durch einen kurzen Aufenthalt in Chatre, einer Schändung der dortigen Kathedrale und des Verzehrs von regionalen Spezialitäten und Getränken unterbrochen wird. Am Nachmittag sind wir dann aber endlich in Rouen, was am dritten Großgewässer dieser Tour liegt: an der Nordsee. Dort bekommt jeder erst einmal ein paar Euro in Hand gedrückt und läuft los, um wie immer zu testen, was man damit alles kaufen kann.
Im Club angekommen ziehen wir uns dann die Vorband mit dem Namen "The Hairball's Ska Orchestra" oder so ähnlich rein, die uns dazu nötigen, mit Ihnen "Monkey Man" von Toots and the Maytals zu spielen, was Max, Silvester und Sebastian gerne machen, da sie immer viel Spaß daran haben, wie die Affen über ein Bühne zu springen.


Solange zwei von drei Bläsern den richtigen Ton treffen, hört sich das Ganze noch einigermaßen gut an.

Diese Showeinlage ringt dem Publikum allerdings nur ein müdes Lächeln ab, was wir beim darauffolgenden Konzert erst einmal wieder gut zu machen haben. Allerdings ist die anwesende Skin- und Punkmeute nicht sehr nachtragend und läßt uns zum Schluss erst von der Bühne, als wir damit drohen, noch einmal "Monkey Man" zu spielen.
Danach wird gefeiert, bzw. es wird der Versuch unternommen. Denn das Bier sieht in seinen 0,2l Flaschen eher aus wie Hustensaft. "Elsässer Bier", liest Olli, probiert und verzieht das Gesicht: "Gut, daß die Flasche nicht größer ist, da hol' ich mir lieber ein warmes Eittinger aus dem Bus!". Eine Bierflasche nehmen wir natürlich mit, um sie später als "Das beschissenste Bier der Welt" in unserem Übungsraum auszustellen.
Wir warten noch, bis auch jedem tüchtig schlecht ist und fahren zusammen in unser Stammhotel "Formule Une", wo sich Max noch eben die Wegbeschreibung für morgen auf die Hand schmieren läßt.

4.10. F - Paris, Fleche d'Or

Heute früh ist ein bisserl mehr Platz als sonst im Bus, da Martin keinen Bock mehr auf Elsässer Bier hatte und in aller Frühe mit den letzten Eittinger Reserven im Gepäck Richtung München getrampt ist.
Für den Rest ist's von Rouen nach Paris nur ein Katzensprung, problematischer ist es da schon, sich in Frankreichs Hauptstadt zurechtzufinden. Erschwerend kommt hinzu, daß die verschmierte Zeichnung auf Maxs Hand keine Entsprechung in unserem Stadtplan hat. "Wir brauchen einen Punkt, von dem aus wir die Stadt gut überblicken können, dann finden wir uns schon zurecht", sagt Ödl und parkt den beNUTS-Bus vor dem Tour-Eiffel.


Vor dem Konzert macht sich jeder warm, damit es später keine Verletzungen gibt.

Und tatsächlich: Nach einer Viertelstunde meinen wir ein Eck von Paris am Horizont erkannt zu haben, das so ähnlich aussieht wie die Zeichnung auf Maxs Hand. "Dort hin müssen wir fahren!" ruft Sebastian, und schon sitzen alle wieder im Bus. Vorher müssen wir aber noch am Arc de Triumph vorbei, um den Ödl schon immer mal drumrumfahren wollte. "Schließlich handelt es sich um Europas Kreisverkehr mit den meisten Spuren.", schwärmt er.
Endlich kommen wir in die Gegend, die wir von der Ferne erkannt zu haben glaubten. Und tatsächlich: "Fleche d'Or" steht da, und ein beNUTS-Plakat klebt auch an der Tür. Während wir ausladen, stellen wir fest, daß es sich bei dem Laden um einen stillgelegten Bahnhof handelt, unter dem immer noch die Metro durchfährt.
Auch neben dieser interessanten Atmosphäre, die uns an unseren ersten Übungsraum unter einer Stadtautobahn erinnert, ist alles top: Essen und Getränke sind reichlich und gut und wir strahlen wie eine Mass Bier im Sonnenschein, als sich der Laden mit über 600 Leuten füllt.
Und schon die Stimmung bei den ersten Takten von "Tic Toc" läßt erahnen, daß dieses Konzert das Highlight unserer "beNUTS testen den Euro"-Tour werden wird. Bei der hochmotivierten und gut eingespielten Band flutscht ein Lied nach dem anderen aus dem Säckl und das Publikum tanzt genauso ausgiebig zu den Hits der aktuellen CD "Nutty by Nature", wie zu den beNUTS-Klassikern.
Anschließend wird noch ein wenig gefeiert, und dann geht's naßgeschwitzt aber glücklich ins -bitte raten- Formule Une von Paris.

5.10. F - Rennes, Mondo Bizarro


Nach jedem Konzert wird sogleich sachlich diskutiert, was das nächste mal noch besser gemacht werden kann.

Die Fahrt von Paris nach Rennes ist so kurz, daß wir uns vorher noch Sacre Couer in Montmatre anschauen können. Wo könnte man in Europa eine bessere Erhebung machen als hier? Wahrscheinlich sind nur am Ballermann mehr Touristen unterwegs als in diesem ehrwürdigen Pariser Stadtteil.
In Rennes angekommen müssen wir feststellen, daß wir den Max irgendwo vergessen haben (vielleicht in Paris im Formule Une?). Na ja, das Ganze wäre nicht so schlimm, wenn nicht auch schon Martin verschütt gegangen wäre. Die Bläsershow fällt also heute etwas dünner aus, da nun der Sebastian mit der Trompete alleine für den nötigen Schub sorgen muß, bis die Lippen in Fransen herunterhängen.
Wie beim Fussball sind die Konzerte im Mondo Bizarro für gewöhnlich in zwei Halbzeiten aufgeteilt, wobei vor allem die zweiten 45 Minuten klar an uns gehen. Hinterher haben wir Probleme, die weiblichen Fans aus unserem Bus zu befördern, was nur mit Hilfe des Veranstalters und unter vielen Tränen letztendlich gelingt. Mit Müh und Not retten wir uns "nach Hause" ins Formule Une.

6.10. D - Weinheim, Cafe Central


Rude & Visser haben auch einiges zur Euro-Teuro-Debatte beizutragen.

Auf der wieder mal zackigen 800km-Tour von Rennes nach Weinheim treffen wir die Kollegen von Moskowskaya (ups, darf man das noch sagen ?), die gerade von einer Umfrage aus Ost-Frankreich zurückkommen. Nach kurzem Erfahrungsaustausch müssen wir weiter, vielleicht finden wir ja einen unserer Bläser wieder.
Im Cafe Central sind Rude & Visser schon dabei, die Akkustik der Halle auszuloten. Neugierig fragen wir nach holländischen Preisen bis uns Dr.Woggle-Niko von der Bühne zerrt. Der Auftritt ist dann nicht weiter erwähnenswert, weil es ein typischer deutscher Support-Gig wird.
Nach Fahrt durchs Weinheimer Hinterland geht dann auch noch der Ödl verloren und so fahren wir am 7.Oktober mit vielen, neuen Erfahrungen ziemlich dezimiert Richtung Heimat, nach München, wo der Euro noch weniger wert ist.

30.11. CZ - Praha, Rockcafe

Ein paar Wochen später wird im Übungsraum wieder eifrig diskutiert. "Im Moment ist eine abschließende Bewertung des Euro noch nicht möglich." resümiert Ödl. "Positiv zu bewerten ist, daß die Mischerpreise trotz Euro weitgehend stabil geblieben sind.", meint Mertin mit Blick auf das sich nur knapp in den Miesen befindliche Bandkonto. "Aber das allein macht doch noch keine starke Währung aus!" stellt Max fest und fügt hinzu "Unsere Untersuchungen können noch nicht als abgeschlossen gelten. Außerdem sollten wir auch Länder bereisen, in denen es keinen Euro gibt, als Vergleich sozusagen". "Na gut, meint Olli, dann fahren wir halt erst ma l nach Prag, das wäre dann auch das erste beNUTS Konzert im ehemaligen Ostblock überhaupt." und fügt noch hinzu: "Mit Ausnahme der DDR natürlich."


Perfekte Choreographie ist unser Markenzeichen.

Also wird wieder alles in den Bus geladen und ab geht's in unser schönes Nachbarland, nach Tschechien. In Prag angekommen, stellt Daniel fest: "Das ist jetzt nach Wien, Berlin, Paris und Madrid die fünfte Europäische Hauptstadt, in der wir dieses Jahr spielen." Und da wir zu früh dran sind, schauen wir uns diese Hauptstadt erstmal etwas genauer an.
Später finden wir uns im Rockcafe ein, und trinken mit unserer Supportband "Fidel Castro" ein paar Biere auf die Tschechisch-Deutsche Freundschaft. Das Bier ist hier schon um einiges besser als die Plörre aus Paris. Ob das an der tschechischen Krone liegt? Ödl bekommt Hunger. "Gegenüber, beim Chinesen-Galli, ist das Essen am besten und billigsten.", rät uns der Veranstalter. Leider kann unser Test dies nicht bestätigen und so begeben wir uns mit rebellierenden Mägen auf die Bühne. Aber die Bewegung tut gut, und bei den geforderten Zugaben ist dann auch jeder wieder fit.
Anschließend wird bei einer gelungenen Skafter-Show-Party im Keller des Ladens noch viel mehr Bier getrunken und ab geht's in die Heija.

1.12. A - Linz, Ann & Pat

"Ich glaube, die Bewertung der Währungen Osteuropas sollten wir doch noch etwas verschieben", sagt Ödl, während er sich nur ungern an das gestrige Abendessen beim Chinesen-Galli erinnert. "Stimmt, wichtiger wäre es, auch Österreich in unsere Studienreise mit aufzunehmen.", meint Seb und schlägt vor: "Wenn wir nach Linz fahren, können wir unterwegs sogar noch interessante Orte in Tschechien unter die Lupe nehmen.
Als Liebhaber regionaler alkoholischer Spezialitäten finden wir uns bald darauf in Budweis wieder, wo wir eine Turmbesteigung durchführen und einen Rundgang durch das Kernkraftwerk Temelin unternehmen. Dann versteckt sich die Hälfte der Band im Weinkeller des beNUTS-Bus und wir rollen unauffällig auf die Tschechisch-Österreichische Grenze zu.


Jugendliche, zu Exzessen aufgeputscht. Wenn das Genosse Honecker wüßte!

Doch so leicht läßt sich das international verwobene imperialistische Regierungsnetzwerk, das seit längerem die Tentakeln nach unserern eifrigen Aufklärern ausgestreckt hat, natürlich nicht täuschen. An der Grenze werden wir schon erwartet, und bei einer ausführlichen Durchsuchung des Busses entgehen den Grenzern auch nicht die versteckten Musiker.
Doch Gott sei Dank können wir den ehemaligen VBler mit ein paar beNUTS T-Shirts und einem Kasten Eittinger auf unsere Seite ziehen, so daß wir es dann doch noch nach Linz ins "Ann & Pat" schaffen, wo die lokale Band "J*A*N feat. UdSSR" schon fleißig am Aufbauen ist.
Nach dem Soundcheck gibt es noch Karfiolsuppe und dann geht's los. Freudig nehmen wir zur Kenntnis, daß das Publikum -gut angewärmt vom Linzer Support- mit großem Eifer bei der Sache ist. Später stellt sich sogar heraus, daß einige Leute extra aus Wien und Graz angereist kamen, um das Konzert zu sehen.

6.12. D - München, Backstage

"Jetzt waren wir solange in Europa unterwegs, ich weiß gar nicht mehr wie es zu Hause so mit dem Euro abläuft", meint Daniel. "Außerdem sollten wir uns vor weiteren Untersuchungen mal mit den Jungs von Bluekilla treffen, um Erfahrungen auszutauschen. Die trinken schließlich auch gerne Bier und kommen gut in der Gegend rum"
Gesagt, getan, und so wird für den 6.12. schnell ein gemeinsames Konzert mit Bluekilla im "New Backstage" organisiert. Es handelt sich um das erste gemeinsame Konzert seit langem. Münchner Skabands treten nämlich ungern zusammen auf, was wohl an der Urangst liegt, die anderen könnten einem das Bier wegtrinken. Aber als das Backstage verspricht, jeder Band einen eigenen Kühlschrank zu besorgen, steht der Kooperation nichts mehr im Wege.
Das Münchner Publikum freut sich und dankt es mit zahlreichem Erscheinen. Schließlich muß heute nur einmal Eintritt für zwei Bands gezahlt werden, und so ist der Laden rappelvoll und besonders guter Laune, weil die meisten das gesparte Geld gleich mal in ein paar Getränke investieren.
Über den Ablauf des Doppelkonzerts brauchen hier wohl nur wenig Worte verloren werden. Wer nicht dabei war, hat vermutlich einfach was verpasst und die Bilder sprechen ja auch für sich.


Zu erwähnen wäre da noch, das es sich um das letzte Konzert unseres Saxophonisten Martin handelt, da er einen 6er im Lotto gewonnen hat und in Chile eine Farm für transgene Schnabeltiere mit Harald Junke eröffnen wird.

© der Photos: B. Erdoedy und beNUTS. Weitergabe oder Veröffentlichung nur mit Genehmigung!

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